Hintergründe

es geht um viel mehr als nur einen Tarifvertrag

Amazon: Lohndrücker der Branche

Amazon ist klassischer Versandhandel, wie Klingel und Otto auch und muss deshalb natürlich auch nach Versandhandelstarif bezahlen. Amazon ist der Lohndrücker der Branche, denn während Otto und andere faire Löhne nach Tarif bezahlen, hält man bei Amazon scheinbar wenig von gerechter Bezahlung. Während nach Tarif für den Großteil der Lager-Arbeiten im Versandhandel zwischen 11,47€ und 11,94€ Einstiegsgehalt gezahlt wird schickt Amazon seine Mitarbeiter mit einem Gehalt von 9,65€ bis 11,12€ nach Hause.

Den Amazon-Beschäftigten geht es um viel mehr als nur einen Tarifvertrag

Amazon ist ein Arbeitgeber, der einen großen Teil der Kolleginnen und Kollegen systematisch in befristete Arbeit zu bringen anstrebt.
Somit gibt es keine Planungssicherheit für die Kolleginnen und Kollegen. Amazon will die Lösung des Tarifkonflikts verhindern.
Amazon setzt weiter auf Konfrontation. Das Unternehmen lehnt es
ab, gemeinsam nach einer Lösung im Tarifstreit zu suchen, wie ver.di es in
einem Brief an Amazon vorgeschlagen hat. Der Streit um die rechtliche Bindung an die Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels geht weiter.

Amazon verweigert den Beschäftigten nach wie vor den Schutz der Tarifverträge.
„Wir haben nicht vor, einen Tarifvertrag abzuschließen. Er stündenicht im Einklang mit unserem Ansatz, Mitarbeiter am Erfolg von Amazonzu beteiligen“, schrieb Armin Cossmann als Vertreter der deutschenVersandzentren.
Diese Begründung ist abenteuerlich, denn Tarifverträge sind wie geschaffen
dafür, die Amazon-Beschäftigten am Erfolg zu beteiligen und ihnen
durch gute Tariferhöhungen auch Wertschätzung entgegenzubringen –
ganz abgesehen davon, dass kein Tarifvertrag dieser Welt außertarifliche
Extras verbietet.

Der Amazon-Weg ist ein anderer. Freiwillige Zahlungen und Boni sollen jederzeit wieder storniert und rückgängig gemacht werden können. Ganz
wie es in den Kram passt. Eine Beteiligung sieht anders aus. ver.di, die Gewerkschaftsmitglieder bei Amazon und die betrieblichen Tarifkommissionen
lassen nicht locker. Wir kämpfen weiter für den Schutz durch die Tarifverträge, für rechtliche Ansprüche statt Prämien nach Lust und Laune.
Die Amazon-Beschäftigten, die hochflexibel arbeiten und sehr viel leisten,
verdienen Sicherheit und Stabilität.
Sie brauchen tarifvertraglich geschützte Einkommens- und Arbeitsbedingungen, die nicht vom Wohlwollen des Arbeitgebers abhängen. Die starken Leistungen in den Versandzentren verdienen Anerkennung - am besten durch eine Tarifbindung des Unternehmens, in der endlich Respekt und Wertschätzung für alle Kolleginnen und Kollegen angemessen zum Ausdruck kommen.
Die Tarifverträge, die ver.di im Handel abschließt, garantieren Ansprüche
auf existenzsicherndes Einkommen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, geregelte
Arbeitsbedingungen und viele Schutzbestimmungen. Keinen Platz
findet dort Flexibilität ohne Ende.
Doch Amazon will bei seinen Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten
mit aller Macht flexibel bleiben können. Die Unternehmensführung hält offenbar wenig von Respekt und echter Anerkennung für die Leistung
der Amazon-Belegschaften.

Interwiev mit Stefan Najda er ist in der ver.di Bundesverwaltung im Fachbereich Handel für den Versand- und Onlinehandel zuständig.

(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 04.12.2016