Mit der Unterschrift unter unseren Arbeitsvertrag haben wir sämtliche Bedingungen akzeptiert, die Amazon uns vorgibt. Ohne die Spur von Mitsprache. Eine sehr einseitige Angelegenheit. Das genaue Gegenteil ist der von uns angestrebte Tarifvertrag.

von Anja Brösch, ver.di-Vertrauensfrau

Ein Tarifvertrag wird ausgehandelt zwischen dem Arbeitgeber und Vertretern der Arbeitnehmer. Bei Verhandlungen auf Augenhöhe zwischen Vertretern mit unterschiedlichen Interessen müssen üblicherweise beide Seiten Zugeständnisse machen. Bis ein Kompromiss zustande kommt, der für beide Parteien vertretbar ist.

Die ungleichen Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern werden mit einem Tarifvertrag wenigstens ein Stück weit abgemildert.

Und genau zu diesem partnerschaftlichen Vorgehen ist Amazon in keiner Weise bereit. Sie möchten die „lieben Mitarbeiter“ nicht in ihre Entscheidungen mit einbeziehen.

Der Streitpunkt „Handel oder Logistik“ gehört am Verhandlungstisch ausgefochten. Er darf nicht Vorwand sein, Verhandlungen gar nicht erst aufzunehmen.

Mit ihrer Abwehrhaltung zwingt uns das Amazon-Management in den Arbeitskampf, das letzte uns bleibende Mittel, um sie zum Umdenken zu bewegen.

Deutschland ist der zweitgrößte Absatzmarkt von Amazon. Man verbucht regelmäßig steigende Umsätze von plus 20% und mehr. Trotzdem lässt man uns an Wachstum und Erfolg nicht angemessen teilhaben. Darum brauchen wir den Schutz von Tarifverträgen und Gewerkschaften.

Ein Tarifvertrag schadet dem Erfolgskurs von Amazon nicht. 63% aller Arbeitsplätze in Westdeutschland sind an Branchen- und Firmentarifverträge gebunden (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung). Viele angesehene Unternehmen (und nicht nur deutsche) zahlen ihren Mitarbeitern Tarif.

„Diplomatie heißt: den Kuchen so zu teilen, dass die anderen mit den Krümeln zufrieden sind“. Ein Zitat, welches von Amazon stammen könnte. Lasst Euch nicht länger ausgrenzen, fordert ein angemessenes Stück des Kuchens ein – gebt Euch nicht mit den Krümeln zufrieden!

Darüber hinaus geht es um Weichenstellung in einer Welt, in der die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Es geht um gerechtere Verteilung und Mitbestimmung.

Eine Kollegin hat es wunderbar auf den Punkt gebracht, sie sagte: „Natürlich kämpfe ich für mich und die Kollegen, aber ich kämpfe auch für die Zukunft meiner Kinder.“

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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 12.03.2019