Streik - Bringt das was

Artikel aus der Betriebszeitung Amazon Hersfeld

Seit April 2013 befinden wir uns im Arbeitskampf mit unserem Arbeitgeber. Dabei hatten wir mittlerweile über 40 Streiktage.
Doch öfters taucht die Frage auf, ob diese Streiks überhaupt etwas bringen.

Betrachten wir hierzu doch mal die Lohnentwicklung bei Amazon.
In den ersten Jahren gab es regelmäßig Lohnerhöhungen. Dies geschah bis Januar 2007.

Die nächste Lohnerhöhung gab es erst wieder im September 2011. Seitdem gab es immer im September eine Lohnerhöhung.
In dem Zeitraum von Anfang 2002 bis Ende 2010 ist der Bruttomonatslohn um insgesamt 149,96 € gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von 9,46 % innerhalb von 9 Jahren.
Seit Beginn der gewerkschaftlichen Aktivitäten im Jahr 2011 haben wir dagegen einen Anstieg von 214,53 €, also 8,09 % innerhalb von nur 4 Jahren zu verbuchen.
Während der Jahre ohne gewerkschaftlichen Druck ist der Bruttomonatslohn durchschnittlich um 16,66 € gestiegen. Seitdem wir Druck machen hingegen um 53,63 €.

Nun könnte man davon ausgehen, dass es andere Gründe für die Entwicklung der Löhne gibt. So gab die Geschäftsleitung (GL) in den Zeiten, in denen es keine Lohnerhöhungen gab (2007-2010) auf All Hands und Betriebsversammlungen als Grund für ausbleibende Lohnerhöhungen die ständige Expansion des Unternehmens, bzw. die

Eröffnung neuer Standorte an. Betrachten wir das genauer: Im Zeitraum, in denen es keine Lohnerhöhungen gab wurden insgesamt 2 FCs eröffnet: FRA3 in 2009 und EDE4 in 2010. In den Zeitraum mit den höchsten Lohnerhöhungen hingegen fallen auch die Eröffnungen aller weiterer FCs: MUC3 und DUS2 in 2011, CGN1 und STR1 in 2012 und BER3 in 2013. Es folgten weitere FCs in Osteuropa. Dies zeigt deutlich, dass die Expansion nicht als Grund für ausbleibende Lohnerhöhungen herhalten kann, denn die Eröffnung der meisten FCs fällt genau in die Zeit, in der es für Amazon-Maßstäbe Rekordlohnerhöhungen gab.
Anfang 2011 begann das Organizing-Projekt von Ver.di bei Amazon, wo sich eine Aktivengruppe bildete. Dadurch stieg der Anteil an Ver.di-Mitgliedern erheblich und plötzlich war es wieder möglich, eine Lohnerhöhung zu gewähren.
Wir gründeten eine Tarifkommission, stellten die Forderung nach einem Tarifvertrag auf, die Mitgliederzahlen stiegen weiter und so gab es auch 2012 eine Lohnerhöhung.

Dann kam es im April 2014 zum ersten Streik mit dem Outdoor-Meeting. Es folgten weitere Streiktage und wieder gab es eine Lohnerhöhung. Und nicht nur dies, es gab plötzlich auch Weihnachtsgeld. Eine Sache, die bis dahin bei Amazon undenkbar war und vorher explizit in den sogenannten Arbeitsgruppen seitens des Managements abgelehnt wurde.
Die Streiks fanden auch 2014 ihre Fortsetzung und somit gab es im September 2014 wieder eine Lohnerhöhung.

Dies verdeutlicht sehr genau, dass man durch Arbeitskampf und gewerkschaftlichen Druck den Arbeitgeber zu Zugeständnissen bewegen kann. Man kann also mit großer Sicherheit sagen, dass diese Lohnentwicklung seit 2011 ohne die gewerkschaftliche Aktivität nicht stattgefunden hätte.

Komplette Ausgabe der Betriebszeitung:
Argument_01_15.pdf
(906,43 kB)

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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 05.07.2019