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Betriebsratszeitung Amazon Rheinberg

Auszug Titelseite BR-Zeitung Rheinberg / 18.02.2015
Aufbruch in neue Zeiten

BR-Zeitung Rheinberg / 18.02.2015

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
Ende Dezember liefen in Rheinberg ca. 550 Verträ-ge aus. Vergleichsweise wenige Mitarbeiter wur-den unbefristet übernom-men oder bekamen eine, wenn auch nur kurze, Verlängerung.
Unter der Belegschaft hat sich große Unsicherheit breitgemacht. Sorgen und Zukunftsängste über den eigenen Arbeitsplatz und den Standort DUS2 haben in vielen Köpfen verständ-licherweise einen festen Platz eingenommen.
Große Veränderung bei der Volumenverteilung sind den polnischen Standorten zuzuschrei-ben. Deshalb wurden Stimmen laut, die der Gewerkschaft ver.di und den Streiks die Schuld für die aktuellen Umstände gegeben haben.
Das ist, wie wir glauben, falsch. Kein Unternehmen verlässt ein Land und ver-lagert seine Standorte ins Ausland, weil gestreikt wird. Entweder man trifft eine solche Entscheidung um neue Märkte zu ver-einnahmen oder um lang-fristig Kosten zu sparen. Einer der größten Kosten-punkte nämlich, den ein Unternehmen hat, sind die Personalkosten.
Dass dieser Faktor in vie-len osteuropäischen Län-dern vergleichsweise sehr gering ist, ist kein Ge-heimnis. Deshalb hat auch Amazon unabhängig von den Arbeitskampf-maßnahmen bereits von langer Hand geplant, FCs in einigen dieser Länder zu bauen und von dort aus den deutschen Markt mit zu beliefern. Kein Streik hat zu dieser Ent-scheidung beigetragen, so unsere Meinung.
Schließlich einigt man sich nicht von jetzt auf gleich mit den Vertretern einer Stadt über den Kauf eines Grundstücks, plant den Bau, schafft geeignete Infrastruktur, zieht ein Lager bezugsfertig hoch, installiert Fördertechnik und Ähnliches und orga-nisiert genügend Mitar-beiter. Der Plan, Standor-te auch im Osten von Europa zu eröffnen stand also schon lange fest.
Es sind nun die Entschei-dungsträger von Amazon, die ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. Ihrer Verantwortung ge-genüber allen Mitarbei-tern an den deutschen Standorten, Arbeitsplätze zu erhalten bzw. zu schaffen, die für die Kolle-ginnen und Kollegen eine gesicherte Existenz be-deuten.
Dabei darf es keine Rolle spielen, ob es Mitarbeiter gibt, die ihr im Grundge-setzt verankertes Recht wahrnehmen und in den Streik treten. Andere Fir-men schaffen es ja auch, diese Bedingungen zu erfüllen und das sogar mit Tarifvertrag. Da muss Amazon gar keine Angst haben, das Rad neu erfin-den zu müssen. Neben einer wirtschaftlichen Verantwortung hat jedes Unternehmen auch eine gleichwertige soziale Ver-antwortung zu erfüllen.

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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 29.11.2018