Ein kleiner Einblick in die Gespräche, die von Vertrauensleuten geführt werden. Ein ganz normaler Montag Morgen, kurz vor Schichtbeginn:
K (Kollege): „Guten Morgen, wie geht es dir“?
VL (Vertrauensfrau/mann): „Prima, und dir“?
K: „Scheiße“.
VL: „Warum, was ist los“?
K: „Ich habe am Samstag eine Abmahnung nach Hause geschickt bekommen“
VL: „Warum das denn“?
K: „Weil ich letzte Woche einen Tag krank war und mich nur telefonisch krank gemeldet habe.“
VL: „Hast du denn eine AU-Ersttagsauflage?“
K: „Was bedeutet das“?
VL: „Dass du ab dem ersten Krankheitstag zum Arzt gehen musst und ab da eine Krankmeldung brauchst, die ab dem dritten Werktag nach Feststellung der Krankheit dem Arbeitgeber vorliegen muss. Hast du denn die Abmahnung dabei“?
K: „Ja“.
VL: „Zeig mal her – hier steht, dass du die Ersttagsauflage mit der Post zugeschickt bekommen hast. Ist das richtig?
K: „Ich habe zu Hause alle Papiere durchgeschaut, die mir Amazon geschickt hat. So was habe ich nie bekommen“.
VL: „Okay, wir gehen nachher gemeinsam zum Betriebsrat und schauen mal, was sich da machen lässt“.
K: „Ja, gut. Hoffentlich kann das geklärt werden“.

Ergebnis der Unterhaltung: Tatsächlich wurde nie eine AU-Ersttagsauflage ausgestellt und zugesendet. Die Abmahnung musste zurückgenommen werden. Allerdings hat der Kollege nun nachträglich eine Ersttagsauflage bekommen. Eine Entschuldigung zur falschen Abmahnung: Fehlanzeige.

von Christiane May, ver.di-Vertrauensfrau

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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 06.04.2019