Jedes Jahr ist es die gleiche traurige Prozedur: Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, manche schon über 18 Monate im Betrieb, mussten das Unternehmen verlassen. Es gehen nicht nur liebgewonnene Kolleginnen und Kollegen, sondern auch hervorragende und zuverlässige Mitarbeiter. Dies spiegelt sich auch wieder in unserer ohnehin kritischen Krankenquote, welche nach dem Ramp-Down im Januar apokalyptische Ausmaße erreicht. Erkennbar ist ein Trend: Amazon schraubt in Deutschland generell die Mitarbeiterzahl nach unten und will offenbar die gleiche Leistung mit reduzierter Mannschaft erreichen. In der Folge macht sich so etwas wie Weltuntergangstimmung breit. In der Produktion wird sich nur noch über Betriebsschließungen, Massenentlassungen, Druckkammergespräche unterhalten. Positiv gestimmte Gespräche gibt es nur noch selten. Ein solches Klima macht bei harten und monotonen Arbeitsbedingungen noch zusätzlich fertig. Warum verhält sich Amazon so und wie ist diese Personalpolitik zu verstehen? Fest steht, die Polen sind billiger. Zusätzlich sind die gewerkschaftlichen Organisationen und Betriebsräte mit deutlich weniger Rechten ausgestattet als in Deutschland. Ob und wie sich die höheren Kosten für Sicherheit, Infrastruktur und Transport in Osteuropa in den Bilanzen wiederfinden, liegt in Teilen an der Kreativität des Unternehmens. Im Logistikbereich legen die Firmen in Osteuropa meist Geld drauf. Die Zeit wird zeigen, wie sich diese Situation entwickelt. Sind die Perspektiven in Deutschland wirklich so negativ? Nein, im Gegenteil, die Perspektiven sind nach wie vor sehr gut. Deutschland ist der zweitgrößte Markt von Amazon und das Umsatzvolumen steigt weiter. Früher oder später aber werden auch unsere Kunden fragen, warum man deutsche Preise für in Polen kommissionierte Produkte bezahlt. Zudem zeichnen wir uns durch eine gute Qualität und Zuverlässigkeit aus, was die polnischen FCs augenscheinlich nicht gewährleisten können. Die Prime-Kunden haben dies schon schmerzlich zu spüren bekommen. Wie sieht die Planung für CGN1 aus? Es wird weiterhin in Projekte investiert, z.B. Hazmat oder Paketverteilung. Zudem können wir wieder beobachten, dass unsere Hiring-Assistenten aktiv sind. Es gibt also keinen Grund, Weltuntergangsstimmung zu verbreiten. Es geht uns als Verdi-Vertrauensleute ausdrücklich nicht darum, das Unternehmen in der Öffentlichkeit schlecht zu reden. Aber wir lassen es uns auch nicht nehmen, die Dinge anzusprechen, welche verbesserungswürdig sind. Wir wollen mit unserer Gewerkschaftsarbeit unsere Kolleginnen und Kollegen im Betrieb unterstützen, Arbeitnehmerinteressen vorzubringen und umzusetzen. Rechte und Regeln, auch Arbeitnehmerrechte, mögen auf den ersten Blick Geld kosten, bedeuten aber letztlich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Planungssicherheit. Eines möchten wir auch deutlich machen: Wir lassen uns nicht mit polnischer Billigarbeit erpressen. Das gilt für alle Streikstandorte bei Amazon. Angst hat noch niemandem geholfen.

Und wer nicht kämpft hat schon verloren.

Glück auf!

von Torsten Moog, ver.di-Vertrauensmann

  • Menschenkette bei Amazon in Rheinberg

    Liebe Kollegen,
    wir in Rheinberg kämpfen für die gleichen
    Interessen. Wir haben am 01.04.2015 auch die Bevölkerung aus Rheinberg und die Arbeitskollegen mobilisiert ein Menschenkette vor Amazon Rheinberg zu bilden. Für uns ein toller Erfolg und zudem Pressewirksam. Was fehlt sind Politiker die auch hier zu unseren Themen öffentlich Stellung beziehen sollten. Wir werden weiter kämpfen und lassen uns nicht einschüchtern.

    Gruß Reinhard Majchrzak
    Ver.di Vertrauensmann Rheinberg
    hier ein Video aus Rheinberg von der Menschenkette am 01.04.20105
    Für Amazon bestimmt kein Aprilscherz.

    https://youtu.be/1tt-hrxGnwQ

    Kommentar von: Reinhard Majchrzak - 02.04.2015, 12:26
  • Pro Amazon

    http://www.derzabel.de/PRO-AMAZON/Unterschriftenaktion

    echt komisch was man sich einfallen lässt, damit es bloß kein TV bei Amazon gibt. Lieber Jeff wie kriegst du die Kollegen bloß dazu für weniger Geld zu arbeiten?

    Kommentar von: Batmann - 02.04.2015, 15:30
  • Kann ich so unterschreiben. Ich weiß zwar nicht, wer "Wehr Di" ist, aber schon alleine der Name ist mir schon nicht geheuer.

    Ich bleibe doch lieber Mitglied in der Gewerkschaft Ver.di. ;)

    Aber im Ernst... dieser "Pro Amazon"_Blödsinn schwappt jetzt auch schon zu uns über:
    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/rheinberg/wir-arbeiten-sehr-gerne-bei-amazon-aid-1.4982320

    Ich frage mich die ganze Zeit: Was wollen diese Kollegen erreichen? Wären die zufrieden, wenn sich Ver.di mit Amazon darauf einigt, die nächsten zehn Jahre auf jegliche Lohnerhöhungen zu verzichten?

    Anyway.

    Hey Reinhard, schönes Video! Ich husche da auch irgendwo kurz durchs Bild. Noch mehr Bilder gibt's hier:
    http://bilder.lnr-verdi.de/bilder_15/2015.04.01%20Amazon-Warnstreikstreik%20Menschenkette/

    Und dein Video von Tims Rede am Dienstag in Werne möchte ich hier auch gerne noch verlinken:
    https://www.youtube.com/watch?v=lxpEcLcKEXI

    Das war so geil - erst die Kollegen von Franz Kerstin und KiK, dann Sevgi für Amazon Werne und schließlich, mit dem mit Abstand größten Applaus, unser Tim. :)

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 03.04.2015, 11:55
  • Und hier noch eine amüsante Meldung vom Postillon,wie immer ehrlich und unabhängig:
    http://www.der-postillon.com/2015/03/amazon-verspricht-trotz-streiks.html

    ;)

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 03.04.2015, 12:02
  • Und da der liebe Reinhard mittlerweile wieder ein Video hochgeladen hat, gibt's hier nun die "kleine streikende Minderheit" aus Rheinberg und Werne (zusammen mit den Kollegen von KiK und Franz Kerstin) beim Demonstrationszug durch Werne:
    https://www.youtube.com/watch?v=3eaZFTLIzcY

    Damit keine Missverständnisse auftreten: Der allergrößte Teil der Personen, die zu sehen sind, arbeitet bei Amazon in Rheinberg!

    Ich habe mich heute übrigens auch mal wieder mit ein paar Kollegen unterhalten, die bestätigten, bereits von den "Pro-Amazon"-Liebdienern angesprochen worden zu sein. Deren Anliegen hätten sie jedoch auch abgelehnt, denn auch wenn sie sich nicht an den Streiks beteiligen wollten, so sehen sie dennoch auch keinen Sinn in den (nicht vorhandenen) Zielen der Pro-Amazon-Anti-Ver.d-Fraktion.

    Wäre es eigentlich mal eine Idee, zum nächsten Streik T-Shirts mit der Aufschrift "Pro Amazon... Pro Tarifvertrag" bedrucken zu lassen?

    Ebenfalls interessant der oberste Kommentar hier:
    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/rheinberg/wir-arbeiten-sehr-gerne-bei-amazon-aid-1.4982320

    Da versucht jemand, der alle vier Kolleg(inn)en persönlich kennt, deren Motive zu deuten. Auch ich habe schon von mehreren Kollegen gehört, die mit einem oder mehreren der vier über das Interview geredet haben, und in jedem Fall soll der- bzw. diejenige sehr nervös geworden sein.

    Die vier sind doch wohl von sich aus auf die Idee gekommen, sich an die Schwarze Pest zu wenden, oder?

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 17.04.2015, 17:57
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