Positive Streikbilanz bei Amazon

klares Signal an Arbeitgeber

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zieht eine positive Bilanz der Arbeitsniederlegungen beim Versandhandelsriesen Amazon in der zurückliegenden Woche. „Die Streiks haben klar gezeigt: Die Beschäftigten wollen einen Tarifvertrag und sie sind bereit dafür zu kämpfen“, sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montag. Amazon dürfe sich einer tarifvertraglichen Regelung der Bezahlung nicht länger verschließen. Bis dahin werde gegebenenfalls auch immer wieder gestreikt.

In der zurückliegenden Woche hatten insgesamt täglich über 2.000 Beschäftigte der Amazon-Standorte in Rheinberg und Werne (beide NRW), Bad Hersfeld (Hessen), Leipzig (Sachsen), Graben (Bayern) und Koblenz (Rheinland-Pfalz) sowie des DVD-Verleihers und Video-Streaming-Dienstes Amazon Prime Instant Video Germany GmbH aus Elmshorn (Schleswig-Holstein) jeweils an mehreren Tagen die Arbeit niedergelegt. Am vergangenen Mittwoch hatten mehr als 1.500 Beschäftigte auf einer Kundgebung in Bad Hersfeld demonstriert – darunter auch Kolleginnen und Kollegen der polnischen Gewerkschaft NSZZ Solidarno??, die ebenfalls um eine verbindliche Regelung und eine Verbesserung der Lohn- und Einkommensbedingungen bei Amazon in Polen kämpfen.

Die Streiks für einen Tarifvertrag beim größten deutschen Versandhändler Amazon haben im April 2013 begonnen. Amazon verweigert jegliche Tarifbindung und orientiert sich nach eigenen Angaben lediglich an den Tarifen der Logistikbranche. Von tarifvertraglichen Standards ist das Unternehmen dabei weit entfernt: Urlaubsgeld wird nicht gezahlt, das so genannte Weihnachtsgeld ist verschwindend gering; Amazon-Beschäftigte beklagen Leistungshetze, akribische Überwachung am Arbeitsplatz und Vorhaltungen durch Vorgesetzte etwa wegen angeblicher Inaktivität von zum Teil nur einer Minute. Die Folge sind hohe Krankenstände von bis zu 30 Prozent.

Die Streiks bei Amazon sind eingebettet in die aktuellen, regional geführten Entgelt-Tarifverhandlungen für den Handel. Amazon trägt dort maßgeblich zum Verdrängungswettbewerb bei. Die Tarifverhandlungen im Handel finden seit dem 1. April 2015 statt. So wie bei Amazon kämpfen auch Beschäftigte in anderen tariflosen Unternehmen des Einzelhandels in der aktuellen Tarifrunde dafür, dass ihr Unternehmen endlich in die Tarifbindung eintritt.

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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 12.03.2019