Überdurchschnittliche Bezahlung?

Durchschnittseinkommen bei Amazon liegt weit unter der Logistikbranche

Laut dem Amazon-Logistikblog, und so auch durch die Presseabteilung von Amazon in den Medien verbreitet, sehe die Geschäftsleitung (GL) das Unternehmen Amazon in der Logistikbranche angesiedelt und zahle für diese überdurchschnittliche Löhne.

Zwar bietet Amazon keine Logistikdienstleistungen auf dem Markt an und ist deshalb auch nicht in der Logistikbranche tätig, aber wir wollen an dieser Stelle die o. g. Aussage trotzdem mal auf den Prüfstand stellen.

Dem Geschäftsbericht der Amazon Logistik GmbH (Standort Bad Hersfeld) von 2014 ist zu entnehmen, dass der Personalaufwand (= Löhne und Gehälter) für das Jahr 2014 bei 90.163.026,82 € lag. In diesem Jahr beschäftigte das Unternehmen durchschnittlich 3.506 Mitarbeiter/innen (MA). Daraus ergibt sich für das Jahr 2014 ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 25276,99 € pro MA. Das sind 2106,42 € pro Monat. Bei einer Monatsarbeitszeit von 163,33 Stunden ergibt sich daher ein durchschnittlicher Stundenlohn von 12,90 €

Den Veröffentlichungen des Hessischen Statistischen Landesamtes gemäß lag der durchschnittliche Verdienst in der Logistikbranche („Verkehr und Lagerei“) im 2. Quartal 2014 bei einem Bruttostundenlohn von 20,84 €.

Damit hat die Amazon Logistik GmbH im Jahr 2014 durchschnittlich 7,94 € pro Stunde weniger gezahlt als in der Logistikbranche üblich. Das sind 38 %.

Die GL stellt weiterhin die Behauptung auf, dass die MA einen Verdienst von durchschnittlich 2.311,- € brutto pro Monat bekämen. Würde dies stimmen, dann lägen die Personalkosten für das Jahr 2014 bei 97.228.392 €. Diese Aussage kann also für den Standort Bad Hersfeld nicht stimmen.

Fazit: Die GL versucht mit Augenwischerei und Schönreden den Arbeiter/innen bei Amazon und der Öffentlichkeit einzureden, dass die durchschnittlichen Löhne und Gehälter doch schon weit über dem liegen, was man tatsächlich verdiene.

Da kommen mir nur folgende Zeilen aus Bertolt Brecht’s „Lob des Lernens“ wieder in den Sinn:

Laß dir nichts einreden!
Sieh selber nach!
Was du nicht selber weißt
Weißt du nicht.
Prüfe die Rechnung
Du mußt sie bezahlen.
Lege den Finger auf jeden Posten
Frage: Wie kommt er hierher?

In diesem Sinne sollte jede Kollegin und jeder Kollege mal seine Lohnabrechnungen prüfen und nachschauen, ob er auf die 2311,- € brutto kommt. Eins ist sicher: Vom Durchschnittsverdienst in der Logistikbranche sind wir alle weit entfernt!

  • Lob des Lernens

    Personalkosten eines Unternehmens beinhalten den Arbeitgeber Anteil der Sozialversicherung. Das was die Beschäftigten als Bruttoeinkommen bekommen muss um den Betrag gemindert werden. Und dann kommt man auch nicht auf 12,90 Euro die Stunde. Und seit wann genau gilt die 37,5 Stunden Woche? Wie kommt ihr darauf Logistik mit Verkehr und Lagerei gleichzusetzen? Verkehr und Lagerei beinhaltet die Branche Luftfahrt also auch die Piloten. Das der durchschnittliche Stundenlohn entsprechend hoch ist liegt dich auf der Hand. Wie war das bei Brecht?

    Kommentar von: Theobald Tiger - 03.12.2015, 05:58
  • Genau hinsehen, Herr Tiger!

    Der Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung wird im Jahresabschluss der Amazon Logistik GmbH in der GuV unter 3. b) "Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung" gesondert aufgeführt. Bei den 90.163.026,82 € handelt es sich ausschließlich um Löhne und Gehälter. Daher muss auch nichts gemindert werden. Die 37,5 Stundenwoche gilt am Standort Bad Hersfeld seit einigen Jahren. "Logistik" wird hier nicht mit "Lagerei und Verkehr" gleichgesetzt. Logistik ist ein Phänomen, dass in jedem Betrieb zu finden ist und stellt keine eigene Branche dar. "Lagerei und Verkehr" ist die zugehörige Branche, wenn man im Allgemeinen von der Logistikbranche spricht. Es ist, wie eingangs im Artikel erwähnt, die Amazon-Geschäftsführung, welche sich selber mit der "Logistikbranche" vergleicht. Da in den Amazon Versandzentren nicht Güter schlechthin, sondern ausschließlich Handelswaren für den Verkauf an Endkunden bearbeitet und auch keine Logistikdienstleistungen auf dem Markt angeboten werden, sehen wir die Versandzentren als Hilfs- und Nebenbetriebe des Versandhandels. Falls Sie anderer Meinung sind, dann stellen Sie bitte dar, in welcher Branche laut Systematik des Statistischen Bundesamtes Sie die in Deutschland ansässigen Versandzentren von Amazon einordnen würden. Berechtigt ist allerdings der Einwand, dass hier nicht genauer differenziert wurde. Da die Amazon GL aber auch keine differnzierten Aussagen darüber trifft, in welcher Branche sie tätig ist, halte ich das für legitim. Als Ergänzung: Im Bundesland Hessen waren im Jahr 2013 im Bereich WZ 52 "Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr" (d. h. ohne Luft- und Schiffahrt, Transportverkehr, Post- und Kurierdienste...) 108.958 Beschäftigte. Die Bruttoentgelte lagen bei 4.156.691.000 €. Daraus ergibt sich ein durchschnittliches monatliches Bruttoentgelt von 3179,12 €. Bei einer 40 Stundenwoche sind das in etwa 174 Stunden pro Monat. Das wären demnach immer noch durchschnittlich 18,27 € pro Stunde (und da sind die Lohnerhöhungen der Jahre 2014/2015 nicht eingerechnet). Also auch bei genauerer Differenzierung liegt der durchschnittliche Stundenlohn bei der Amazon Logistik GmbH noch deutlich unter dem durchschnittlichen Lohn dieser Branche.

    Sie sehen also, Herr Tiger, wie Ihr Namensgeber schon sagte:
    "Man kann den Hintern schminken wie man will, es wird kein ordentliches Gesicht daraus."

    Kommentar von: christian.kraehling - 03.12.2015, 14:17
  • ach herr kraehling

    realistisch wäre es, im obigen artikel mal die zahlen aus dem (übrigens von ver.di!!! ausgehandelten) logistiktarifvertrag hessen zu benennen! da sieht man nämlich, dass amazon seine mitarbeiter sehr gut bezahlt!
    übrigens... wir amazon-mitarbeiter werden auch weiterhin mit aller macht gegen ver.di kämpfen!

    Kommentar von: urmel - 06.12.2015, 16:11
  • Liebes Urmel ;-)

    Es gibt keinen Logistiktarifvertrag Hessen. Sicher ist der TV für die Beschäftigten des privaten Transport- und Verkehrsgewerbes in Hessen gemeint. Da liegt mir der aktuelle nicht vor. Aufgrund der Daten des entsprechenden Tarifvertrages für 2011/2012 (welcher mir vorliegt) und den Bekanntmachungen über prozentuale Erhöhungen aus den Verhandlungsrunden in der Zeit danach ergibt sich jedoch ein aktueller Stundenlohn für z. B. Kommissionierer/innen (also mit unserem Job vergleichbar) von gerundet 12,05 € (angefangen bei 11,17 € im Jahr 2012, mit Erhöhungen von 2,9 %, 2,2 % und 2,6 % von 2013 bis 01.01.2016).

    Ob das "sehr gut" ist - bei Amazon oder in diesem TV - sei angesichts des in Deutschland vorhandenen Durchschnitsseinkommens mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass nicht ver.di per se, sondern die zuständige gewählte Tarifkommission diesem Ergebnis zugestimmt hat. Ein solches Ergebnis hängt eben vom wirtschaftlich Machbaren, dem Organisationsgrad und der Kampfbereitschaft der Kolleg/innen ab und ist sicher nicht darauf zurück zu führen, dass ver.di gerne Löhne weit unter dem Schnitt vereinbart. Auch lässt sich aus einem schlichtem Vergleich der Grundlöhne des TVs und jener von Amazon (wobei wohlgemerkt erstere immer noch leicht höher sind) nicht herleiten, ob "amazon seine mitarbeiter sehr gut bezahlt".

    Aber der Artikel nimmt keine Bewertung vor, ob die Löhne bei Amazon '"gut" oder "schlecht" sind, sondern prüft die Aussagen der Amazon-GL anhand einer Erhebung des Statistischen Amtes Hessen. Das ist auch im Artikel ausreichend dargestellt. Insofern diskutieren Sie hier m. E. nach am Thema vorbei.

    Übrigens, leider haben wir bisher überhaupt nicht bemerkt, dass "ihr amazon-mitarbeiter" "mit aller macht" gegen ver.di kämpft. Sprechen Sie von den teilweise irrwitzigen Kommentaren Einzelner auf Facebook? - Viel Glück beim Kampf! Sind denn die streikenden Kolleg/innen keine "amazon-mitarbeiter"? Akzeptieren Sie doch einfach, dass es eben Kolleg/innen gibt, die gerne ihre demokratischen Rechte im Betrieb wahrnehmen und nicht alles runterschlucken, was ihnen die GL vorkaut und grenzen Sie diese nicht aus.

    Kommentar von: christian.kraehling - 06.12.2015, 18:33
  • ach so, ver.di kämpft also für die mitarbeiter hier bei amazon!? ich habe, wie andere kollegen auch, eher das gefühl, ver.di geht es um die eigene PR. kaum kündigen sich die medien an, da werden noch betriebsfremde rangekarrt (streiksoli leipzig und linke gruppen gegen kapitalismus), so dass es viel aussieht. sobald die medien weg sind, packt auch ver.di zusammen. die streikbeteiligung liegt hier nur bei 15 bis 20%. die meisten mitarbeiter sehen schlicht keinen grund zu streiken, weil sie mit den löhnen und den zusatzleistungen zufrieden sind.
    die streikenden amazon-mitarbeiter werden von uns übrigens als "kollegenschweine" angesehen, die uns im weihnachtsgeschäft, mal wieder, hängen lassen. was solls, in deren augen sind wir ja auch nur "streikbrecher". das einzige was ver.di erreicht hat, ist, die belegschaft zu spalten!

    Kommentar von: urmel - 06.12.2015, 21:55
  • Themenwechsel, liebes Urmel?

    Wenn man einer Diskussion inhaltlich nicht gewachsen ist, dann, so liebes Urmel, rät das Rethorikhandbuch einfach zu einem Themenwechsel, oder, wenn man sich dazu herablassen und unlautere rethorische Mittel anwenden möchte, dann diffamiert man den Gegner persönlich, in der Regel mit nicht nachprüfbaren Behauptungen. Im Sinne des Handbuches haben Sie also für Ihre Situation scheinbar einen treffenden Kommentar abgegeben. Gratulation! Haben Sie noch etwas Sachliches zum urspünglichen Thema beizutragen?

    Kommentar von: christian.kraehling - 09.12.2015, 00:17
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