Gelebte Solidarität

Wir Vertrauensleute

Gewerkschaftliche Arbeit innerhalb eines Betriebes läuft über das Ehrenamt der Vertrauensleute. Diese organisieren Aktionen innerhalb und außerhalb des Betriebes und sind zusammen mit Hauptamtlichen Gewerkschaftssekretären verantwortlich für die Planung und Durchführung von Streiks.

Die Motivation, um dieses Ehrenamt auszuüben, ist oft die Gleiche: Wille etwas zu Verändern und Einfluss auf eine positive Gestaltung seiner Arbeitsbedingungen. Dabei gibt es unter den Vertrauensleuten ganz unterschiedliche Charaktere, die mit ihren individuellen Fähigkeiten, die gewerkschaftliche Arbeit bereichern. So gibt es beispielsweise Vertrauenspersonen, die im Betrieb als vorrangige Ansprechpartner bei Problemen und Fragen jeglicher Art fungieren. Diese Personen genießen oftmals großes Vertrauen innerhalb der Belegschaft und besonders unter den Gewerkschaftsmitgliedern, da an sie sehr private Dinge herangetragen werden. Solche Sachen behandeln wir dabei stets vertraulich. Da es sich hierbei auch oft um eine Schnittmenge von Privat- und Arbeitsleben handelt, sind eben die Vertrauensleute diejenigen, die als erster Ansprechpartner fungieren. Es hat sich in der Praxis auch gezeigt, dass Vorgesetzte bei Amazon nicht in der Lage sind mit solchen Dingen einfühlsam umzugehen. Immer wieder hat sich gezeigt, dass Mitarbeiter mit ihrem zuständigen Manager gesprochen haben, so wie es die Firmenphilosophie vorsieht. Mit sehr großer Regelmäßigkeit zeigt sich jedoch, dass diese Manager dann das ihnen entgegengebrachte Vertrauen missbrauchen.

Dass den Vertrauenspersonen nun eben auch mehr Vertrauen geschenkt wird von der Belegschaft, ist aber wiederrum der Geschäftsführung ein Dorn im Auge. Daher sind Konflikte mit der Geschäftsführung und dem Management vorprogrammiert. Diesen Konflikten nicht aus dem wegzugehen, sondern sie auszutragen, ist daher eine weitere wichtige Eigenschaft, die man für dieses Ehrenamt mitbringen muss. Wie bereits auch in der Februar Ausgabe der LINKS! im Artikel „Amazon und die Methoden des Union Busting II“ beschrieben, sind eben die Vertrauensleute Ziel von Mobbingaktionen. Da Mobbing eben nicht am Arbeitsplatz aufhört, sondern auch mit in das Privatleben hineingetragen wird, ist es wichtig dies bis zu einem gewissen Grad ertragen zu können. Da hilft der Rückhalt der Kollegen und besonders der anderen Vertrauensleute.

Innerhalb der Vertrauensleutestruktur zeigt sich Solidarität und Zusammenhalt wohl am deutlichsten, denn ein Angriff auf einen von uns, ist gleichzeitig auch ein Angriff auf alle anderen. Die Ehrenamtlichen wissen nämlich, dass man bei so einem Arbeitgeber bzw. so einem Gegner im Arbeitskampf nicht alleine bestehen kann, sondern eine starke Gemeinschaft von Nöten ist.
Es gibt noch andere Arten von Vertrauensleuten, jene, die der Arbeitgeber nicht auf der Rechnung hat. Diese wirken eher im „Hintergrund“ und leisten viel organisatorische Arbeit, beispielsweise rund um den Streik.

Im Laufe der Zeit hat sich eine feste Vertrauensleutestruktur bei Amazon in Leipzig gebildet. Diese wurde von Vertrauensleuten der „1. Generation“ aufgebaut. Diese Vertrauenspersonen sahen sich noch größeren Anfeindungen des Arbeitgebers ausgesetzt, da sie sich diese Struktur gebildet hatte, in der es noch keinen Betriebsrat gab. Ohne diese Männer und Frauen würde es diesen auch nicht geben, da sie es waren, die ihn erst ermöglichten. Die Erfahrungen, die sie dabei machten, haben sie an spätere Vertrauensleute weitergegeben, so dass alle anderen davon profitieren konnten.

Allen Vertrauensleuten gemeinsam ist, dass sie viel Energie und Freizeit in ihr Ehrenamt fließen lassen. Nicht immer bekommen sie dafür Dankbarkeit entgegengebracht. Darin liegt vielleicht auch der Unterschied zu anderen Ehrenämtern. Dennoch sind es eben jene Vertrauensleute, die die kleinen Verbesserungen bei Amazon erreicht haben. Ohne sie wäre das alles nicht möglich geworden.


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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 23.12.2016