Wer braucht Drews, wenn er Paddy hat??

Bericht vom Streik, 20.-21.06.2016 in Bad Hersfeld

Vom 20. – 21. Juni waren die Kolleginnen und Kollegen von Amazon in Hersfeld wieder mal zum Streik aufgerufen.

Bereits am Sonntag trafen die ersten Vertrauensleute in Bad Hersfeld ein, um sich auf die Streiktage vorzubereiten und letzte Abstimmungen zu treffen. Per Mail wurden die Mitglieder am Sonntagabend über den Streik und den Ablauf informiert. Für die ersten Streikposten begann der Montag nach einer sehr kurzen Nacht um 4:00 Uhr morgens mit dem Beladen der Autos am ver.di-Büro. Danach ging es vor die Tore der Versandzentren FRA1 und FRA3 um das Streiksetting aufzubauen.

Obwohl die Mitglieder am Montag erst für 10:30 Uhr zur Streikversammlung vor FRA3 eingeladen waren, erschienen insgesamt um die 80 Kolleginnen und Kollegen morgens zum Schichtbeginn, um sich an den Streikposten zu beteiligen und beim Aufbau zu helfen. Bei trübem Wetter, aber bestens gelaunt wurden dann die Kolleginnen und Kollegen der Frühschicht empfangen und mit Flyern über den Streik informiert. Nach und nach traf dann der Rest der streikenden Kolleginnen und Kollegen ein und wir konnten pünktlich um 10:30 Uhr mit unserer Streikversammlung beginnen. Inhaltlich wurde dort die teure Image-Kampagne der Geschäftsleitung kritisiert und die Themen Gesundheitsbonus und Pausenregelung besprochen. Bei beiden Punkten werden wir nicht locker lassen, weitere Aktionen sind geplant, über die an dieser Stelle aber noch nichts verraten werden soll… Besonders gefreut hat uns der Besuch eines Freundes aus dem hohen Norden. Karsten Weber aus Kiel vom Forum für Arbeitswelten (https://www.forumarbeitswelten.de), welches sich mit der Vernetzung von Basis-Aktivisten in Betrieben aus Deutschland und China beschäftigt, berichtete von den Arbeitsbedingungen und den Problemen der Organisierung von Gegenwehr in China. Auch Amazon ist in China sowohl als Auftraggeber in der Produktion als auch mit einem Netzwerk aus Versandzentren tätig. Super war auch, dass uns ein Kollege vom Standort Brieselang, bei Berlin, besucht hat, um sich Anregungen und Tips zu holen und um schon mal ein bisschen „Streikluft“ zu atmen.

Da wir im Vorfeld beschlossen hatten, vor FRA3 rund um die Uhr präsent zu sein, was leider in FRA1 so nicht möglich ist, machten wir uns dann am Vormittag an den Aufbau eines kleinen Streikcamps inklusive einer ver.di-Chillout-Zone auf dem Rasenstück direkt vorm Eingang. Es wurden große und kleine Banner aufgehängt, Zelte als Rückzugsmöglichkeit für die Streikposten aufgebaut, Möbel für die Chill-Out-Zone gezimmert und alles wetterfest gemacht. Die Nachtwache vertrieb sich dann bei strömendem Regen und niedrigen Temperaturen die Zeit mit Trommeln, Gesang, Lachen, Grillen und Diskussionen bis in den frühen Morgen, über das, was wir im Arbeitskampf bisher falsch oder richtig gemacht haben und wie man es in Zukunft besser machen könnte.

Der Dienstag begann dann genau so früh wie der Montag, ebenfalls mit Streikposten in ähnlicher Anzahl. Dieser Tag sollte ganz im Zeichen der Erholung und der Kultur stehen. So waren die Kolleginnen und Kollegen dazu aufgerufen, erst um 14:00 Uhr zu erscheinen, wo ein besonderes Highlight auf sie wartete: Die Irish-Folk Band „Paddy goes to Holyhead“ (http://www.paddy.de) spielte uns in über 2 Stunden die Sonne herbei und verbreitete gute Laune. Irische Musik und fast schon karibisches Wetter sind eine schöne Kombination, besonders oben auf dem „Amazon-Hügel“. Wer stattdessen arbeiten gegangen ist hat echt was verpasst. Aber das nächste Streik-Event kommt bestimmt und jeder kann sich bis dahin überlegen, ob er etwas für seine Lohntüte, Erholungstage und seine Würde tut und dabei noch eine schöne Zeit mit den Kolleginnen und Kollegen verbringt oder lieber dem grauen Arbeitsalltag frönt und stumm alles hinnimmt!

Am Streik haben sich mehr als 500 Kolleginnen und Kollegen aus FRA1 und FRA3 beteiligt. Es gab 12 Neuzugänge. Ca. 100 Kolleginnen und Kollegen waren morgens und nachmittags zu den Streikposten da. Danke an alle Beteilgten! Wir werden auch in Zukunft nicht locker lassen!

Die Streikenden haben an diesem Tag auf jeden Fall eines gelernt: Wer 2 Stunden lang Paddy bei schönstem Sonnenschein genießen kann, braucht keine halbe Stunde Drews in einer tristen Halle! (http://www.amazon-logistikblog.de/2015/12/18/weihnachtszeit-bei-amazon-juergen-drews-rockt-fuer-die-mitarbeiter)

Streikposten FRA1

Streikposten FRA3

Flyer verteilen

Paddy goes to Holyhead

Ausgelassene Stimmung

Unser wetterfestes Streikcamp

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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 23.12.2016