Der Internetriese Amazon will mit verschiedenen Mitteln ein positives Bild von sich in der Öffentlichkeit abgeben. Dafür fährt er riesige Imagekampagnen. Das dient aber einzig und allein dem Selbstzweck, dass man keine Kunden verliert. Denn das einzige was für Amazon wirklich zählt sind Einnahmen. Moral und Ethik bleiben dabei auf der Strecke, nicht nur den eigenen Mitarbeitern gegenüber, sondern auch in Bezug auf die Produkte, welche auf der Internetseite angeboten werden.

Zwei Beispiele sollen das verdeutlichen. Ein Mitarbeiter stieß, während er eine aktuelle Bestellung bearbeitete, auf ein verdächtig klingendes Buch. Dieses Buch trug den Namen: „Die Freiwilligen der Waffen-SS – Idee und Opfergang“ von Felix Steiner. Daraufhin las sich der Mitarbeiter die Rückseite des Buches durch, um zu überprüfen inwieweit man auf eine illegale Verherrlichung des Nationalsozialismus im Buch schließen kann. Da auch der Klappentext auf eine Verherrlichung hindeutete ging der Mitarbeiter zu seinem Vorgesetzten Manager und schilderte sein Problem. Dieser Manager wollte in dem Augenblick selbst keine Entscheidung diesbezüglich treffen und gab die Anweisung das Buch weiterzubearbeiten. Er schrieb sich noch den Titel des Buches auf, um ihn zur Überprüfung an die Abteilung Qualitätssicherung weiterzugeben. Dann fragte der Manager den Mitarbeiter noch, wie er denn überhaupt auf die Idee gekommen ist, dass ein illegaler Inhalt vorliegen könnte. Daraufhin schilderte der Mitarbeiter den Vorgang und wurde anschließend scharf darauf hingewiesen so etwas bitte in Zukunft zu unterlassen, da die bestellte Ware das Versandlager zu einem bestimmten Zeitpunkt verlässt und durch solches Verhalten unnötige Verzögerungen auftreten würden. Außerdem gehört das Lesen von Klappentexten nicht zur eigentlichen Aufgabe des Versandmitarbeiters und verstößt somit gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten.

ür das Buch gibt es auch eine Bewertung eines Amazon-Kunden. Aus ihr lässt sich erkennen, welche Klientel dieses Buch kauft und liest. Der Kunde findet die Waffen-SS nur ironischer Weise schlecht und gleichzeitigt freut er sich, dass dieses Buch politisch unkorrekt ist.

Das Werk ist in Deutschland frei verkäuflich, jedoch wird vielen Menschen dabei unwohl, wenn sie zur Verbreitung von menschenverachtender Ideologie beitragen sollen.

Einem anderen Kollegen ist während der Arbeit ein anderes Buch ins Auge gefallen, welches aber nicht zu der Bestellung gehörte, die er zu bearbeiten hatte. Dieses trägt den Titel „Family Nudes“. Darin sind nackte Kinder und Erwachsene abgebildet, in verschiedenen Posen. Zusammen mit einem anderen Kollegen schaute sich dieser Mitarbeiter das Buch an, um es dann einer Vorgesetzten zu melden. Anstatt sich aber mit dem Problem auseinanderzusetzen, musste sich auch dieser Kollege rechtfertigen aus welchem Grund er in seiner Arbeitszeit ein Buch angeschaut habe. Außerdem gab die Vorgesetzte an, dass sie auf den Bildern nichts Verwerfliches erkennen könne. Daraufhin ging der Mitarbeiter zur Abteilung für Qualitätssicherung, um es dort zu melden. Dort wurde ihm bestätigt, dass dieses Buch schon mehrfach zur Überprüfung vorgelegen habe und dass es immer wieder freigegeben wird. Amazon ist der Meinung, dass dieses Buch als Kunst einzustufen sei. Es gibt auch noch andere Bücher in gleicher Manier, welche alle frei verkäuflich bei Amazon zu erhalten sind. Aber auch für dieses Buch gilt, das vielen Menschen sehr unwohl wird, wenn sie am Verkauf solcher Bücher beteiligt sind.

Ob diese Art Bücher wirklich als Kunst einzustufen sind oder nicht, wurde in den Medien ausführlich im Rahmen der Edathy- Affäre diskutiert.

Meine Meinung dazu ist folgende: Wenn Nacktheit öffentlich dargestellt wird, dient sie dazu sexuelle Erregung zu stimulieren. Wenn Kinder auf Foto oder Filmmaterial öffentlich nackt dargestellt werden, dann liegt der Verdacht nah, dass sie sexuelle Erregung bei Pädophilen und Kinderschändern hervorrufen sollen. Daher ist öffentliches Bild- und Filmmaterial von nackten Kindern, sei es nun Kunst oder nicht, als Kinderpornografisch zu werten und zu verurteilen. Auch sollten sich die Eltern, die diese Bilder freigeben, die Frage stellen, ob ihre Kinder diese Fotos gutheißen, wenn sie älter sind.

Beide Vorfälle ereigneten sich in unterschiedlichen Schichten mit unterschiedlichen Vorgesetzten. Die Reaktion darauf war jedoch identisch: Die Mitarbeiter wurden beschuldigt ihrer Arbeit nicht nachzugehen. Anstatt sich mit der ethisch-moralischen Seite dieser Vorfälle zu befassen und diese Ware sogar aus dem Sortiment zu entfernen, geht man lieber auf die Mitarbeiter los, die Bedenken äußern. Amazon will seine Produkte verkaufen, um jeden Preis. Da bleibt für Ethik und Moral kein Platz.

Beide Bücher kann man zum jetzigen Zeitpunkt immer noch bei Amazon bestellen.

Hector

Dieser Artikel wurde bisher nicht kommentiert.
Diesen Artikel kommentieren >>
(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 23.12.2016