Die Auseinandersetzung zwischen Ver.di und dem Versandhändler Amazon dauert schon Jahre. In dieser Zeit nahm Amazon immer wieder zu Vorwürfen Stellung, die aus der Belegschaft kamen oder der Gewerkschaft kamen. Dabei nutzte der Konzern seine Rechtfertigungsversuche für Eigen-PR. So offenbarte sich immer wieder die Denkweise der Führungsetage.

Die wurde der Belegschaft in Betriebsversammlungen und All-Hands nähergebracht. Dort musste die Geschäftsleitung auch auf Themen eingehen, die in der Belegschaft diskutiert werden und bei denen die Gewerkschaft Druck macht. Eines ist die Bezahlung. Die Frage, die sich die Führung gefallen lassen muss, ist: Warum geht Amazon nicht auf Forderungen der Gewerkschaft ein? Die Antwort ist erschreckend. Es wurde gesagt, dass es für die Mitarbeiter nicht unbedingt von Vorteil ist, wenn sie mehr verdienen würden.

Diese Aussage lässt stark vermuten, dass die Führungsebene den eigenen Mitarbeitern nicht zutraut selbstverantwortlich zu handeln. Diese Art von Misstrauen begegnet man immer wieder im Arbeitsalltag. So zum Beispiel, wenn man zu seinem Vorgesetzten geht und dabei eine Treppe passieren muss. Da kann es passieren, dass man eine Standpauke erhält, weil man den Handlauf nicht benutzt hat. Solche Beispiele sind zahlreich. Oft handelt es sich um Kleinigkeiten, die aufgebauscht werden. So fragen sich viele Mitarbeiter, ob sie sich in einem Kindergarten befinden.

In den für die Beschäftigten obligatorischen Meetings wurde etwa darauf hingewiesen, dass man darauf achten solle seine Schnürsenkel ordentlich verschnürt zu halten. Oder dass man nur bei Grün die Straße überqueren solle.

Da nimmt es nicht Wunder, dass viele Angestellte das Gefühl haben, dass ihre Chefs auf sie herabschauen. Immer wieder wird von fehlender Wertschätzung gesprochen. Die Geschäftsleitung ist dann stets der Meinung, dass sich die Angestellten Respekt und Wertschätzung erst erarbeiten müssten. Angestellte und Geschäftsleitung begegnen sich nicht auf Augenhöhe begegnen. Viele Manager schauen auf ihre Mitarbeiter herab.
In den Meetings werden die Mitarbeiter beispielsweise darauf hingewiesen, dass man sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen hat. Es kam auch schon vor, dass die Mitarbeiter zu einer ordentlichen Körperhygiene angehalten wurden.

Doch damit nicht genug. In den Toiletten im Lagerbereich hängen Hinweisschilder. Abgebildet sind Strichmännchen in verschiedenen Posen. So wird man darauf hingewiesen, dass man nicht mit einer Angel in der Toilette fischen solle. Ein anderes Bild zeigt in welcher Richtung man zu sitzen hat. Solche Hinweisschilder finden sich nicht in den Toilettenräumen der Chefetage.

Diese Beispiele aus dem Arbeitsalltag zeigen wie man bei Amazon als Mensch eingeschätzt wird. Gesunder Menschenverstand und normales Verhalten werden dem einfachen Angestellten offenbar nicht zugetraut. Aus Sicht der Geschäftsleitung muss man scheinbar dem einfachen Arbeiter alles kindgerecht erklären. Mit einer Begegnung auf Augenhöhe hat das alles wenig zu tun. Dieses Verhalten dient einzig der Erhöhung der eigenen Position und der Herabwürdigung des Gegenübers.


Crissy

Für Anregungen, Meinungen und weitere Informationen zu den verschiedenen Themen könnt ihr mit dem Autor auf Twitter und Facebook kommunizieren:

Facebook: Crissy Libertas
Twitter: @CrissyLibertas

Dieser Artikel wurde bisher nicht kommentiert.
Diesen Artikel kommentieren >>
(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 23.12.2016