Amazon wächst. Und zwar massiv. Der Umsatz des Unternehmens stieg im 2. Quartal im Vergleich zum selben Zeitraum im letzten Jahr um 50%. Das heißt, es müssen auch viel, viel mehr Waren verpackt und verschickt werden. Das sehen wir natürlich positiv, denn das schafft Arbeitsplätze und jeder der bereits dort arbeitet, muss sich weniger Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz machen.

Es darf uns bei Arbeitsplätzen aber nicht nur um die reine Masse gehen, denn wir leben nicht um zu arbeiten, sondern wir arbeiten um zu leben. Und genau bei diesem Punkt, bei der Qualität der Arbeitsplätze muss Amazon noch mächtig nachlegen. Zum Teil weil sie Probleme haben mit dem eigenen Wachstum klarzukommen, zum Teil aber auch weil durch schlechte Bedingungen gezielt Druck ausgeübt wird.

Hier sehen wir die größten Probleme:
Befristete Verträge: Noch nicht einmal ein Drittel der über 4.600 Kollegen in Bad Hersfeld hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Im Werk FRA3 arbeiten sogar über 80% mit befristeten Verträgen. Das eigene Leben ist so kaum planbar. „Wie lange habe ich noch Arbeit? Kann ich mir Kinderhaben leisten? Wie komme ich an einen Kredit?“ Das sind Fragen, die für befristet Beschäftigte kaum zu beantworten sind. 
Geringer Lohn: Auch wenn Amazon gerne sagt, dass man bei ihnen vergleichsweise gut verdient, der Vergleich hinkt. Bei allen Versandhändlern, die nach Tarif zahlen, gibt es wesentlich mehr. Und natürlich gibt es immer Unternehmen in anderen Branchen die weniger verdienen. Aber dann vergleicht man eben Äpfel mit Birnen. Oder wie in diesem Fall Packet-Dienste mit Versandhändlern.
Leistung lohnt sich nicht: Es gibt zwar eine  Leistungsprämie, das „PRP“, aber die errechnet sich nur für den gesamten Betrieb und hängt von vielen Faktoren ab, die der einzelne kaum beeinflussen kann. So können sich auch nur die wenigsten daran erinnern, dass es irgendwann mal eine ordentliche Prämie gab. Und während Tarifverträge honorieren, wenn Kollegen mehr Verantwortung übernehmen oder durch längere Betriebszugehörigkeit Erfahrung und Routine einbringen, zahlt sich das bei Amazon nicht aus. Und wer Vorschläge für Verbesserungen macht bekommt ein T-Shirt, wo es in anderen Unternehmen bares Geld geben würde.
Leistungsdruck: In vielen Abteilungen wird den Kollegen ständig gesagt, dass sie mit ihre Stückzahlen unter dem Abteilungsschnitt liegen. Auch wenn jedem der logisch denkt, klar sein muss, dass es immer Kollegen geben wird, die unter dem Durchschnitt liegen.
Zusammen mit der Hoffnung irgendwann einen unbefristeten Arbeitsvertrag in den Händen zu halten, erzeugen diese Zahlenfeedbacks mächtig Druck. Die Gefahr, dass so eher gegeneinander als miteinander gearbeitet wird, ist groß.

Diese 4 Punkte muss Amazon angehen, damit die Kollegen gerne bei Amazon arbeiten. Dann ist es auch keine Frage dauerhaft motivierte Arbeitskräfte zu finden. Wir helfen gerne, die Probleme anzugehen.

Wo seht ihr die Probleme bei Amazon?

  • Endlich mal eine Zusammenfassung der Sachlage und ihrer Probleme - wenn jetzt nicht mal einige in die Gänge kommen ..., dann hoffe ich wenigstens, dass das Thema nicht wieder völlig "zerpflückt" wird! Ich bin mal gespannt, welche Resonanz auf Deine Ausführung kommt.
    Hoffentlich eine faire und heftige Diskussion für alle! :-)

    Kommentar von: Esel - 22.08.2011, 10:27
  • Julian - schön formuliert. Ich hätte es nicht besser beschreiben können. Einen Punkt würde Ich aber noch hinzu fügen - die Menschlichkeit und Kollegialität. Amazon muss "wieder" erkennen, das seine Mitarbeiter Ihr größtes Betriebskapital sind - einfach mal ein paar Stufen von der Leiter heruntersteigen und in "UNS" Menschen sehen, die trotz mentaler, gesundheitlicher und technischer Probleme jeden Tag ihr bestes geben.

    Zum PRP-System: Als ich 2005 im Weihnachtsgeschäft angefangen habe, gab es noch sage und schreibe 120 Euro Prämie - im letzten Jahr waren es 14,85 Euro. Wie soll da Motivation aufkommen?

    Kommentar von: Frank Wisker - 22.08.2011, 18:31
  • ...zum PRP kann ich nur für LEJ1 sprechen:
    immer "pünktlich" zum Monatsende (meist so 1-3 Tage vorher)
    kommt "rein zufällig" ein Arbeistunfall, und "natürlich" IMMER gerade
    in einer ANDEREN Abteilung, NIEMALS in der EIGENEN. Denn sonst
    würde man ja durch "Mundpropaganda" schnell wissen WER es diesmal war ;-)
    Aber da diese "UnfallOpfer" vermutlich gar nicht REAL existieren, können sie also auch immer nur gerade in der "anderen Abteilung" arbeiten.
    Fragt man aber in einer Mittagspause dann mal einen aus jener mysteriösen anderen Abteilung, wissen die nie was von einem "Unfall"....?!? (sehr merkwürdig, aber eben auch sehr effizient für den AG aus finanzieller Sicht!)

    Gruss aus dem LEJ1

    Kommentar von: amazoni - 23.08.2011, 18:53
  • http://www.wiwi-treff.de/home/lounge/read.php?f=28&i=19528&t=19518

    wer mal Zeit hat, hier finden sich Infos und Eindrücke von Führungskräften. Sehr interessant ;-)

    Kommentar von: Arbeiter - 24.08.2011, 03:51
  • http://www.med1.de/Forum/Beruf.Alltag.Umwelt/495349/

    was man alles so findet, hier geht's hauptsächlich ums Picken

    Kommentar von: Arbeiter - 24.08.2011, 03:55
  • http://www.hersfelder-zeitung.de/nachrichten/kreis-hersfeld-rotenburg/bad-hersfeld/gewerkschaft-kritisiert-billiglohn-amazon-913457.html

    einer noch, der Herr Bauer wurde übrigens seit Monaten nicht mehr gesehen (Artikel und Leserbriefe bitte lesen)

    Kommentar von: Arbeiter - 24.08.2011, 04:01
  • Ja Arbeiter wie du auch festgestellt hast gibt es im Internet viele Austausch-Seiten über Amazon. Es gibt auch Seiten, wo sich Manager über Kommunikationstechniken austauschen, z. B. wie man schlechte Nachrichten wie z. B. Überstunden machen positiv formuliert, sodass die Mitarbeiter einwilligen. Also Manipulation. Psychologie. Charisma.

    Kommentar von: EX-Worker - 25.08.2011, 09:09
  • Hmmmmm, irgendwie hatte ich diese perfiden Methoden von Amazon schon am Anfang durchschaut.
    Und hatte dann auch mal ein interessantes Gespräch mit einem Vorgesetzten deswegen, das ihm die Kinnlage stehen blieb. Sicher hat er es abgestritten das hier psychologische Methoden angewendet werden "hahaha". Sogar die Co- Worker werden inzwischen auf diese Weise trainiert.
    Vielleicht hat er gedacht, das in meinem Oberstübchen was nicht stimmt, ich kann Euch versichern da ist alles in Ordnung.
    Aber die tägliche Druckmache auch unterschwellig können die sich echt sparen........
    Bei Amazon wird man wie Vieh behandelt, wenn man nicht mit der Herde mitspringt wird das Lamm auf die Schlachtbank geführt.
    Manchmal denke ich das ich beim Militär gelandet bin, so ein Drill herrscht dort und das in deutschen Landen. UNGLAUBLICH!!!!!!

    Kommentar von: Bambi - 29.05.2012, 18:13
      • grinst* Was ist daran so "Unglaublich" Bambi.... Wie alle grössere Unternehmen, pickt sich auch Amazon das "beste" aus vielen Welten zusammen für deren "Success Story"

      Preussischer Drill, Deutscher Fleiss, Amerikanische Hire & Fire Rücksichtslosigkeit, Fernöstliches "Gemeinschaftserlebnis".
      Ich warte weissgott nur noch darauf, das man wie in Japan üblich, vor Arbeitsgeginn gemeinschaftliche Gymnastik und Gruppenkuscheln einführt.
      Da verwette mal meinen Allerwertesten drauf, das solche "Kaizens" mit Sicherheit von einigen "VerFührungskräften" im Kopf rumspuken.

      Schöne neue Global Player Welt

      Kommentar von: Alfred Tetzlaff - 02.06.2012, 15:56
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