In Gesprächen mit Kollegen über die aktuelle Lage im Betrieb und die Lohnhöhe hört man als Argument gegen die Gewerkschaft häufig, dass „die ja auch nur Geld kassieren und dann eh nichts machen!“ Verdi versuche schon seit Jahren bei Amazon Fuß zu fassen und habe bisher viel geredet und nichts getan.

Leuten die so argumentieren und jenen die auf eine solche Argumentation hereinfallen möchte ich an dieser Stelle gern Folgendes zu bedenken geben:

Die Gewerkschaft ist kein Dienstleistungsunternehmen mit dem Ziel Gewinn zu machen. Es geht vielmehr darum, dass WIR uns organisieren und mit einer Stimme unsere Interessen gegenüber dem Arbeitgeber formulieren und durchsetzen. Es reicht nicht, Mitgliedsbeiträge zu zahlen und zu warten, dass „die von Verdi“ dann alles regeln. Jeder sollte aktiv mitmachen und das Gewerkschaftsleben und –handeln mitgestalten oder zumindest im Ernstfall bereit sein, sich an Aktionen zu beteiligen. Was bringt es immer nur zu meckern ohne wirklich was zu verändern? Im Übrigen sind die Mitgliedsbeiträge keine Zahlung an Verdi, sondern es handelt sich um Geld, welches  die Gewerkschafter in einen gemeinsamen Topf werfen um Lehrgänge, Aktionen, Streiks uvm. zu finanzieren.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben nun mal unterschiedliche Interessen. Der Arbeitgeber will so billig wie möglich produzieren um möglichst viel Profit zu machen. Der Arbeitnehmer will möglichst viel Lohn für seine Familie und sich selbst. Beides ist logisch. Warum sollte man sich aber als Arbeitnehmer in dieser Frage auf die Seite der Arbeitgeber stellen und auf eine Lohnforderung verzichten?

Die aktuelle „Lohnerhöhung“ fällt so niedrig aus, weil wir nicht organisiert aufgetreten sind und keine Forderungen gestellt haben. Das muss nächstes Jahr besser laufen! Daher rufe ich alle „Amazonies“ auf sich zu solidarisieren, in die Gewerkschaft einzutreten und sich aktiv einzubringen, damit wir gemeinsam unsere Interessen durchsetzen können!

Also warum in die Gewerkschaft eintreten? – Um es mit Brecht zu sagen:

Wollen wir es schnell erreichen

Brauchen wir noch Dich und Dich!

Wer im Stich lässt Seinesgleichen,

lässt ja nur sich selbst im Stich!

  • Eine vortreffliche Formulierung ist Dir hier gelungen Kollege! Besser kann man das "Warum" nicht erläutern! Ich bin begeistert und hoffe, dass den Zweiflern die Zweifel genommen sind! Mir gefällt die Ausführung von Absatz 4 dabei am besten! Wenn das nicht Anreiz genug wäre Brecht zu folgen ... :-)

    Kommentar von: Esel - 20.09.2011, 18:14
  • Der Gewerkschaft ist doch jede Einzelperson egal. Verdi geht es um Macht. Sie wollen sich mit einem "Sieg über Amazon" wieder an anderer Stelle brüsten, um noch mehr Beiträge zu kassieren. Ich wette, die Verdi-Beschäftigten leben sehr gut von den Mitgliedsbeiträgen fremder Arbeitnehmer. Warum wird nicht bekannt, wieviele Mitgliedschaften noch fehlen, bis Verdi endlich handelt? Um noch mehr Mitglieder zu ködern? Natürlich wird es aber als Taktik vor dem Arbeitgeber verkauft. So ein Quatsch.
    http://www.zeit.de/2011/38/Gewerkschaft-Verdi

    Kommentar von: anonym - 21.09.2011, 00:28
    • Sicherlich gibt es an der Gewerkschaftsführung einiges zu kritisieren. Aber sollen wir deswegen unsere Forderungen nach mehr Lohn und deren organisierte Durchsetzung in den Wind schiessen? Hast Du eine bessere Idee an mehr Lohn zu kommen? Wenn ja immer raus damit...

      Kommentar von: Joe Hill - 22.09.2011, 00:07
  • Die Frage Verdi oder nicht sollte sich nach 6 Jahren hoffnungsvollen Wartens auf mehr Lohn nicht mehr stellen. Wer das tut, hat noch nicht verstanden, dass die Interessen Arbeitgeber/Arbeitnehmer nicht (mehr) in genau diesem Punkt die Gleichen sind. Selbst das Ergebnis der Lohnerhöhung nach knapp 6 Jahren macht mich sehr traurig, da es zeigt, das der Wert meiner Arbeitskraft und meines Egagements zur Firma jedes Jahr gesunken ist, obwohl ich mehr Leisten soll. Über 2 % gestiegene Lebenshaltungskosten JEDES Jahr (Versicherungen, Autokosten, Lebensmittel, Strom, Heizung) zeigen mir, dass ich gegenüber der letzten Lohnerhöhung 2006 heute im Jahr 2011 ca. 12% !!! weniger Geld für meine Kinder ausgeben kann. Wenn ich mir dagegen den Aktienkurs anschaue stellt sich für mich die einfache Frage: Was passiert denn mit uns, sollte es der Firma mal schlecht gehen, wenn man in Zeiten, in denen wir nur so strotzen vor Gesundheit sich so schwer tut, uns die Anerkennung zu geben, die wir verdient haben?

    Kommentar von: Arbeiter - 21.09.2011, 03:28
  • http://www.zeit.de/2011/38/Gewerkschaft-Verdi

    Die Kommentare sprechen für sich.

    Kommentar von: Steffi - 21.09.2011, 09:35
  • Zitat: "Im Übrigen sind die Mitgliedsbeiträge keine Zahlung an Verdi, sondern es handelt sich um Geld, welches die Gewerkschafter in einen gemeinsamen Topf werfen um Lehrgänge, Aktionen, Streiks uvm. zu finanzieren."


    Leider werden von diesen Geldern auch mehrere linksradikale, vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierungen finanziert, von den Verquickungen mit diversen (post)kommunistischen Parteien mal abgesehen... Das sollte sich jeder Beitragszahler (zu denen auch ich gehöre) vor Augen halten.
    Die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen ist nur EIN Aufgabenfeld von verdi. Die Durchsetzung einer bestimmten politischen Ideologie, welche den Ansichten vieler Gewerkschaftsmitglieder widerspricht, eine andere!

    Kommentar von: Nixda - 21.09.2011, 11:15
    • Was hat das Ganze mit dem Kampf der Amazonier für einen Tarifvertrag zu tun? Wo sind denn die linksradikalen Gruppen?

      Kommentar von: Joe Hill - 21.09.2011, 23:57
      • Mein Kommentar bezog sich ausschließlich auf das vorangegangene Zitat. Ich halte es für wichtig, daß jedes potentielle Gewerkschaftsmitglied sich bewußt ist, an wen es einen Teil seines Lohnes abtritt und wofür dieses Geld u.a. verwendet wird.

        Kommentar von: Nixda - 22.09.2011, 01:09
      • Welche "linksradikalen" Gruppen werden denn unterstützt und woher beziehst Du die Information? Wenn es so wichitg ist, dass jedes potentielle Mitglied das weiß, solltest Du uns diese Info nicht vorenthalten.

        Kommentar von: Joe Hill - 22.09.2011, 08:57
  • @Nixda:
    Es geht in unserer Gesellschaft heute um den Kampf, dass am wirtschaftlichen Erfolg alle beteiligt werden und nicht, wie es momentan ist, nur wenige alles bekommen.
    Es ist gut, wenn Verdi sich dafür einsetzt, da unsere Parteien dies ja nicht mehr für nötig halten.

    Kommentar von: Andreas - 21.09.2011, 12:27
  • Da sind sie wieder, Skeptiker, Meckerer, Schwarzseher. Dann seid zufrieden mit eurem Lohn und fertig. Ich kann nur für mich sprechen, muss aber auch dazu sagen, dass ich der Gewerkschaft lediglich 12 Monate gebe, um mir persönlich das zu zeigen, was in den Betriebsversammlungen an Hoffnung gegeben wird. Ein "Blinzahler" bin ich nicht, nach den 12 Monaten ohne auch nur die kleinsten Erfolge zu sehen bin ich nicht mehr bereit Verdi zu mit zu finanzieren!

    Kommentar von: Arbeiter - 22.09.2011, 03:02
  • @Arbeiter, ich bin mir sicher, es geht wesentlich schneller als 12 Monate, dann werden die Mitglieder (ver.di) dem Arbeitgeber die rote Karte zeigen.

    Kommentar von: Arbeiter - 23.09.2011, 16:09
  • Nun wirin Leipzig haben nun eine bessere Lohn- und Überstundenregelung für das Q4 als im Vorjahr (uA 125% Feiertagzuschlag statt 75% wie im Vorjahr).
    Ich denke mal ohne die Angst der Geschäftsleitung vor den immer mehr werdenden Gewerkschaftsmitgliedern wäre das nicht möglich gewesen.
    Auch interessant, dass bei uns Amazon geklagt hat als wir vor ca 2 Jahren unseren Betriebsrat gründen wollten. Die Klage kam glücklicherweise nicht durch :)

    Kommentar von: Leipziger - 23.09.2011, 17:50
  • Gefaellt mir sehr die Seite. Schone Themenwahl.

    Kommentar von: Malik - 26.09.2011, 14:57
  • an alle Zweifler: Ich als Mitglied und Unterstützer von Heiner+Julian kann nur sagen dass es jede Woche mehr werden die einen Antrag abgeben. Es sind schon einige Hundert dabei und es wird nicht mehr allzu lange dauern bis was passiert. Man muss eben einen gewissen Prozentsatz zusammen haben um Dinge durchzusetzen. Bisher lag der Focus der Arbeit darauf mehr Mitglieder zu gewinnen, was auch noch nötig sein wird. Und wem es zu lange dauert bis was passiert muss eben was dafür tun!

    Kommentar von: Engagierter Verdianer - 10.10.2011, 09:11
  • Da bin ich ja mal gespannt. Bisher kam noch garnichts ausser nervende Verdizettel.

    Kommentar von: Der Weihnachtsmann - 10.10.2011, 17:10
    • Hallo Weihnachtsmann, so funktioniert Gewerkschaft nicht. Es geht darum, dass sich die Amazonier gemeinsam für ihre Ziele einsetzen und dabei durch Wissen, Ressourcen etc. unterstützt werden. Wenn jetzt alle gespannt warten ob sich etwas tut, dann wird sich mit Sicherheit nichts tun.
      Gewerkschaft ist dann, wenn viele gemeinsam an einem Strang ziehen. Aber nicht, wenn sich viele neben den Strang setzen und warten dass irgendwann jemand daran zieht.

      Kommentar von: Julian - 11.10.2011, 08:19
    • und genervte oder nervende Weihnachtsmänner.........

      Kommentar von: Arbeiter - 11.10.2011, 13:56
  • @Julian, aber bei den ganzen Austritten bei Verdi in den letzten Jahren sind es wohl nicht mehr soviel, zu mindest ist die Spitzenposition bei den Gewerkschaften je schon lange ade.
    Warum wird dann immer vom AG verlangt in "Vorkasse" zu gehen, wenn ihr das nicht amchen wollt? Achja, gefordert ist ja immer schnell, nur selber was tun ist immer bisschen schwerer. Das erinnert mich echt an die Grünen, die labern auch nur in er Opposition, wenn sie was sagen könnten dreht die Welt sich aufeinmal anderesrum.
    ... bin total gespannt auf die nächsten Aktionen.

    Kommentar von: Der Weihnachtsmann - 12.10.2011, 17:48
  • Kommentar von: Arbeiter - 12.10.2011, 18:34
  • "...Gewerkschaft ist dann, wenn viele gemeinsam an einem Strang ziehen. Aber nicht, wenn sich viele neben den Strang setzen und warten dass irgendwann jemand daran zieht."

    Das ist klasse...dumm nur das viele den Strang noch nicht gefunden haben bzw. nicht den Mut haben daran zu ziehen :-(

    Kommentar von: Verdianer - 26.01.2012, 10:54
  • Hey Hey Hey …

    wann ist die VErdi denn endlich in Werne aktiv ?
    Da gehts echt schlimm zu zur zeit… Leute werdeb zu überstunden gezwungen und düren teilweise von werne aus zum nächst größeren Bahnhof nachts laufen, weil keine Busse mehr fahren… Unzumutbar!!!!!

    Kommentar von: LORY - 17.12.2012, 13:13
    • Hey hey hey LORY,
      ver.di wird aktiv, wenn sich die Kollegen organisieren und Mitglied werden. Denn die Mitglieder sind ver.di.
      Vielleicht solltet ihr unabhängig davon als erstes mal einen Betriebsrat aus den Reihen der Kolleginnen und Kollegen wählen. Zumindest hätte man dann schon mal eine betriebliche Mitbestimmung in sehr vielen Bereichen (verpflichtende Überstunden hätten sich vermutlich erledigt).
      Sofern sich hierfür Leute finden die bei ver.di sind, könnte euch auf diesem Weg auch dabei geholfen werden.

      Anders wird hier nichts laufen. Ihr müsst schon mit ran und "Arsch in der Hose" haben. ;-)

      Kontakt:
      Werne

      Alexandra Willms
      Tel: 02303/2501916
      Mail: alexandra.willms(at)verdi.de

      Kommentar von: Batmann - 18.12.2012, 10:12
  • Die ewigen Klassiker unter den Kollegen. "Wann kommt Ver.di endlich hier rein?" In Rheinberg können wir immerhin jetzt sagen, dass sie am 10. Januar "reinkommen", zumindest für die Betriebsversammlung, auf der wir den Wahlvorstand wählen. An diesem Tag werden wir Mitglieder auch endlich ganz öffentlich Farbe bekennen. :-)

    Kommentar von: Ruhrpott - 18.12.2012, 10:57
    • ja Ruhrpott, manchmal mache ich mir auch Sorgen um Deutschland und seine Arbeiter.
      Es scheint so, als wenn gerade in Branchen wie der unseren es entweder an Courage fehlt, oder die Menschen wissen es einfach nicht besser.

      Ich glaube aber ehrlich gesagt vielmehr, dass sich immer weniger Menschen bereit erklären, Verantwortung zumindest für ihr eigenes Dasein zu übernehmen.
      Das würde zumindest den "ewigen Klassiker" erklären.

      Aber ganz ehrlich, ich (der Klugscheißer :-) ) weiß es nicht!
      In allen Lebensbereichen kann man beobachten, dass sich immer mehr Menschen hinter konstruierten Ängsten verstecken. Bei den täglichen Schreckensmeldungen, die mitunter schon einen gewisses System vermuten lassen, kann man das eine oder andere auch verstehen.
      Die Angst vor Arbeitlosigkeit wird in den Medien immer schön am Laufen gehalten.
      Wenn man dann noch bedenkt, dass die Anzahl der psychisch Erkrankten immer weiter ansteigt, kommt man eventuell auf den Gedanken, dass etwas nicht stimmt im Staate Dänemark.

      In Rheinberg hingegen viel Erfolg beim Farbe bekennen :-)

      Kommentar von: Batmann - 18.12.2012, 11:23
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